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04.03.2026
von Benedikt Imbusch & Jannik Brinkmann

Nach Jahren weitgehend konventioneller Transaktionsprozesse befindet sich der M&A‑Markt durch den Einsatz künstlicher Intelligenz in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Technologien, die vor wenigen Jahren noch als experimentelle Ergänzung galten, entwickeln sich zunehmend zu einem festen Bestandteil professioneller Transaktionsvorbereitung. Der M&A-Sektor muss sich daher auf strukturelle Anpassungen einstellen, die unter anderem die Geschwindigkeit von Transaktionen, die Qualität der Entscheidungsgrundlagen sowie die Bewertungsparameter maßgeblich beeinflussen können.

StatusQuo
Während der Einsatz generativer KI in vielen Unternehmensbereichen bereits deutlich zugenommen hat, befindet sich der M&A‑Sektor im Vergleich noch in einer frühen Umsetzungsphase. Laut aktuellen Befragungen nutzt bislang nur ein kleinerer Teil der M&A‑Professionals generative KI oder KI‑Agenten produktiv im Arbeitsalltag. Gleichzeitig befinden sich viele Organisationen in Pilotprojekten oder bereiten sich auf eine breitere Einführung vor. Dies führt zu einer Übergangssituation: Akteure, die KI bereits heute strategisch einsetzen, verschaffen sich einen spürbaren Wissens‑ und Geschwindigkeitsvorsprung. Mittelfristig wird KI jedoch zu einer grundlegenden Voraussetzung für eine professionelle Transaktionsanalyse – vergleichbar mit der Einführung digitaler Datenräume.

Der Einfluss von KI auf den Transaktionsprozess
Zu den deutlichsten Veränderungen zählt die drastische Reduktion manueller Recherchearbeit. Informationen, die früher aus Handelsregister, Bundesanzeiger, Branchenreports und internen Systemen mühsam zusammengesucht werden mussten, können heute durch KI‑basierte Tools innerhalb weniger Minuten aggregiert und analysiert werden. Dies ermöglicht nicht nur eine erheblich schnellere Informationsaufbereitung, sondern führt auch zu einer breiteren und objektiveren Datenbasis. Für die Käuferseite geht damit insbesondere eine schnellere Qualifizierung potenzieller Targets, eine breitere und objektivere Datenbasis sowie eine frühzeitigere Identifikation zusätzlicher Übernahmeoptionen einher, was jedoch nicht bedeutet, dass menschliche Expertise dadurch obsolet wird. Vielmehr verschiebt sich der Fokus auf weniger Zeit für Fleißarbeit und mehr Zeit für Interpretationen, strategische Bewertung und Verhandlungsvorbereitung. Für die Verkäuferseite steigt dadurch gleichzeitig der Druck, die Datenqualität zu verbessern. Unternehmen, deren Prozesse und Reportingstrukturen nicht sauber dokumentiert oder digitalisiert sind, geraten zunehmend ins Hintertreffen.

M&A als mögliche Antwort auf fehlende technologische Fähigkeiten
Viele insbesondere mittelständische Unternehmen nutzen M&A strategisch, um fehlende KI‑ und Datenkompetenzen zu erwerben. Der Zukauf kleiner KI‑Start‑ups, Data‑Analytics‑Teams oder Digital Units wird damit zu einem zentralen Baustein ihres Transformationsprozesses. Ein weiteres Wachstumsfeld entsteht darüber hinaus im Bereich der Infrastruktur. Der stark steigende Bedarf an Rechenleistung, der durch KI‑Modelle, Cloud‑Systeme und datenintensive Anwendungen getrieben wird, führt auch zu einer deutlichen Zunahme von Transaktionen rund um Rechenzentren.

Veränderter Blick auf Unternehmensbewertungen
Eine der weitreichendsten Entwicklungen zeigt sich bei der Bewertung von Unternehmen. Die Frage lautet zunehmend nicht mehr nur: Wie profitabel ist das Unternehmen heute? Sondern vielmehr: Wie zukunftsfähig ist sein Geschäftsmodell im Zeitalter der KI? Unternehmen, die KI sinnvoll in Prozessen und Produkten integrieren, werden zu attraktiveren Targets. Auf der anderen Seite droht eine neue Form des Bewertungsabschlags: Unternehmen, die technologisch zurückfallen oder deren Geschäftsmodell durch KI gefährdet ist, könnten an Wert verlieren, selbst wenn die aktuelle Zahlenlage stabil erscheint. Diese Verschiebung verändert auch die Due-Diligence-Schwerpunkte. Neben klassischen finanziellen und rechtlichen Themen rücken Datenqualität, Digitalisierungsgrad und KI-Kompetenz stärker in den Vordergrund. Trotz der positiven Dynamik warnen Experten auch vor einer möglichen KI‑Übertreibung. Viele Technologiekonzerne sind hoch bewertet und ein Rückgang dieser Bewertungen könnte auch den M&A‑Markt beeinflussen, insbesondere bei Finanzierungsbedingungen und Multiples in technologiegetriebenen Segmenten.

Fazit:

Künstliche Intelligenz verändert das M&A‑Geschäft umfassend. Sie beschleunigt Prozesse, erweitert die Analysebreite und führt zu neuen Bewertungslogiken. Gleichzeitig bleibt der Mensch als strategisch und analytisch denkende Instanz unverzichtbar. Unternehmen, die KI frühzeitig in ihre M&A‑Prozesse integrieren, werden künftig klare Vorteile erzielen.

 

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